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Mick Clarke Band: Shake That Boogie – Live in Bremen 1989 (Review)

Artist:

Mick Clarke Band

Mick Clarke Band: Shake That Boogie – Live in Bremen 1989
Album:

Shake That Boogie – Live in Bremen 1989

Medium: Do-CD
Stil:

Blues Rock

Label: MIG music
Spieldauer: 87:51
Erschienen: 27.03.2026
Website: [Link]

Im Jahr des Mauerfalls schüttelte die MICK CLARKE BAND auf der Westseite Deutschlands noch einmal ordentlich Blues und Boogie live aus den Musikerärmeln. Der 'gemeine Ossi' konnte davon allerdings noch nicht profitieren, denn der saß zu dieser Zeit am 17. Mai 1989 noch hinter verschlossenen Gittertüren im Ostteil, als Herr Clarke mit seinem Blues-Rock-Quintett den Bremer Landsleuten – denen zu diesem Zeitpunkt die Geschichte einer DDR-Gefangenschaft noch ziemlich (Mauer-)Ritze war – den ur(afro)amerikanischen Boogie samt urigem Blues um die freiheitsverwöhnten West-Ohren haute. Eine Zeit, an die man sich endlich wieder genauer erinnern sollte, während jeder Arschvogel heutzutage wieder irgendwelche Mauern gegen die Freiheit anderer Meinungen hochzieht und für sich (Gesinnungs-)Rechte in Anspruch nimmt, die völliges Unrecht sind. Im Osten hatten wir das schonmal – und darum auch keine Chance, „Shake That Boogie – Live in Bremen 1989“ wirklich live zu hören oder im Publikum lautstark mitzusingen. Dafür aber 37 Jahre später dank MIG music den Mitschnitt des kompletten Konzerts auf einer edlen Doppel-CD im dreiflügeligen Digipak und einem achtseitigen Booklet samt aller (auf englisch verfassten) Hintergrundinformationen und ein paar Bildern.


Selbst wenn im Booklet dieses historische Jahr keinerlei Rolle spielt. Für den Kritiker aus dem Osten allerdings schon, denn für den veränderte sich sein ganzes Leben in diesem Jahr grundlegend – und diese Doppel-CD ist so eine Art des kleinen Soundtracks dieser Zeit und der Freiheit für ihn. Denn er hatte damals den Blues der Verzweiflung des im eigenen Land Eingesperrten, dem man selbst die Musik rationierte und zensierte. Und gerade wenn sie so lebendig und frei und weltoffen wie von der MICK CLARKE BAND klang, dann hatte sie schon im Vorfeld den Stempel der Dekadenz verpasst bekommen.

Auch im Osten hatte Mick Clarke einen geheimen Bekanntheitsgrad. Denn schließlich war der britische Gitarrist und Songwriter das Mastermind hinter der seit den frühen 70er-Jahren aktiven Psyche-Blues-Band KILLING FLOOR, die mit ihrem selbstbetitelten Debüt und besonders dem Kult-Album „Out Of Uranus“ zwei echte Mega-Scheiben, die aus heutiger Sicht einen musikhistorischen Stellenwert genießen, veröffentlicht.


Welch prophetischer, im Osten verbotener Name, denn schließlich hatten wir seit 1961 unserer ganz eigenen 'Todesstreifen', gut gesichert mit schießwütigen Grenzern und bissigen Hunden sowie Stacheldraht, Tretminen und Selbstschussanlagen. Also: während die eine Seite KILLING FLOOR hören durfte, überlebte die andere Seite den realen 'Killing Floor' meistens nicht.
Leider war nach zwei Alben dann der Todesstreifen des Blues auch dahin und KILLING FLOOR Geschichte. Der DDR-Todesstreifen brachte es auf immerhin 28 Jahre – schade, dass es nicht umgekehrt war, denn das hätte vielen Menschen das Leben gerettet und der Musik garantiert weitere großartige Blues-Rock-Momente beschert.

Und in geschichtsvergessenen Zeiten wie diesen sollte man unbedingt immer wieder daran erinnern. Selbst wenn man dazu dieses großartige Live-Album der MICK CLARKE BAND mit ins Spiel bringt. „Shake That Boogie – Live in Bremen 1989“ präsentiert Clarke in Höchstform, der auch seine ganz großen Ideale wie JOHN LEE HOOKER oder WILLIE DIXON und ELMORE JAMES plus MUDDY WATERS musikalisch zurate zieht und mit Live-Versionen ehrt – in diesem Falle mit „I'm In The Mood“ oder „You Need Love“ und „Madison Blues“ plus „She's Nineteen Years Old“.
Grandios hierbei auch immer wieder das wilde Mundharmonika-Spiel von Chris Lloyd-Baron oder die ebenso wilden Orgel-Passagen von Kerry Canfield (bei dem Erinnerungen an JON LORD geweckt werden), der sich nur zu gerne auch beständig mit der Gitarre ein Duell liefert, wobei einem durchaus sofort die besten KILLING FLOOR-Zeiten in den Sinn kommen. Im Grunde durchziehen solche KF-Parallelen das gesamte Konzert! Ein echtes Qualitätsmerkmal!


Hinzu kommt die großartige (Stereo-)Soundqualität, bestens abgestimmt und so klingend, als wären die Aufnahmen klangtechnisch live in einem Studio entstanden und mitgeschnitten wurden. Die Perfektion einer dermaßen eingespielten Band trifft so auf die Perfektion großartigen Live-Sounds.
Auf diesem Doppel-Album stimmt alles – sogar der für den Ossi bedeutende Hintergrund. Ein Album das höchste Aufmerksamkeit verdient aus einer Zeit, die auf keinen Fall in Vergessenheit geraten sollte, in einem Land, in dem sich immer mehr Zeitgenossen nach Zuständen sehnen, von denen wir uns damals gerade befreit hatten. Und wir Idioten dachten, das wäre für ewig, ohne zu ahnen, dass die SED-Zombies erneut eine üble, die Freiheit des Einzelnen missachtende Missgeburt gebären. Da kann man tatsächlich wieder den echten Blues bekommen oder eben besser doch im Falle der MICK CLARKE BAND 88 Minuten lang hören, ohne die Zeitangabe als eine geheime Botschaft aus dem Universum eines streng gescheitelten und Mini-Rotzbremse tragenden Größenwahnsinnigen mit niederösterreichischen Wurzeln zu verstehen.


FAZIT: Die MICK CLARKE BAND klingt live deutlich nach der Band, in der ihr Namensgeber während der Siebzigerjahre maßgeblich mitmischte: KILLING FLOOR, eine Psychedelic-Bluesband der Extraklasse, deren zweites Album „Out of Uranus“ (1970) als Blues-Meilenstein gilt. Im Mauerfall-Jahr fügt MIKE CLARKE diesem Studio-Meilenstein etwa 20 Jahre später mit seiner eigenen Band auf „Shake That Boogie – Live in Bremen 1989“ einen echten Live-Meilenstein mit hinzu. Klangtechnisch, musikalisch und historisch legendär! Sollte in keiner halbwegs guten Blues-Rock-Sammlung fehlen – in jeder diesbezüglich hochwertigen Sammlung ist „Shake That Boogie – Live in Bremen 1989“ unverzichtbar, auch weil man deswegen – wie anno 1989 – nicht mehr den Todesstreifen überwinden muss.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 39x gelesen, veröffentlicht am )

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Tracklist:
  • CD 1 (36:31):
  • I'm Tore Down
  • Midnight Cruise
  • I'm In The Mood
  • Cold Comfort
  • Walking By Myself
  • Closing Time
  • You Need Love
  • CD 2 (51:20):
  • Intro: TV-Blues
  • TV-Blues
  • Madison Blues
  • All These Blues
  • Nothin' But A Fool
  • Full Moon Boogie
  • She's Nineteen Years Old
  • Shake That Boogie
  • Kansas City
  • Walkin' Blues
  • Gone Too Long

Besetzung:

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