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Alex Amen: Sun Of Amen (Review)

Artist:

Alex Amen

Alex Amen: Sun Of Amen
Album:

Sun Of Amen

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, Cosmic American Music Country

Label: ATO
Spieldauer: 39:06
Erschienen: 12.06.2026
Website: [Link]

Der Name ALEX AMEN mag hierzulande vielleicht noch unbekannt sein - immerhin handelt es sich bei dem Album „Sun Of Amen“ ja um das Debüt des Songwriters aus L.A. – aber als Musician's Musician ist AMEN in der kalifornischen Country-Folk-Szene aus dem Laurel Canyon bereits fest verwurzelt.

Dort haben sich Künstler wie MICHAEL COLLINS und sein Projekt DRUGDEALER, BEN SCHWAB (SYLVIE), NATALIE MERING (WEYES BLOOD), SAM BURTON, MARINA ALLEN oder HAYLIE DAVIS (LADY APPLETREE) in einem lockeren Verbund zusammengefunden, um die Traditionen der Cosmic American Music in die Jetztzeit zu überführen. Der ursprünglich aus Texas stammende ALEX AMEN, der zuvor eine längere Phase sowohl des Kommunenlebens wie auch des Eremitentums durchlebte, zog erst Anfang der 20er nach L.A., ist aber, seit er 2025 seine erste EP namens „The Zorthian Tapes“ auf der Zorthian-Ranch im kalifornischen Altadena produzierte, Bestandteil der Szene. HAYLIE DAVIS etwa gastiert auf einigen Tracks seines Debüt-Albums als zweite Stimme bzw. Harmonie-Sängerin.

Worum geht es aber musikalisch?
Nun, wer von ALEX AMEN innovative Ansätze oder produktionstechnisch eingefangenen Zeitgeist erwartet, wird enttäuscht sein. Wie alle Musiker der aktuellen Cosmic-American-Music-Szene ist auch ALEX AMEN ein Songwriter, der mit relativ wenig Ego an die Sache herangeht und stattdessen in den klassischen Tugenden der Altvorderen sein Heil sucht, sich der Moderne verweigert und logischerweise auch den Old-School-Ansatz verfolgt, sein Material ganz im Geiste der Seventies auf analogem Equipment einzuspielen. Da kann es schon mal passieren, dass ein altes Tonbandgerät während der Aufnahmen Feuer fängt, was jedoch gerne in Kauf genommen wird, wenn am Ende der organische Sound authentisch rüberkommt.


Gemeinsam mit dem ehemaligen Bandkollegen und dem Produzenten JONNY BELL erschuf ALEX AMEN für dieses Album ein Setting, das tatsächlich an die glorreichen Tage der frühen Laurel-Canyon-Phase erinnert. Obwohl durch die Beiträge des Pedal-Steel-Gitarristen TOMMY DE BOURBON (der zuletzt in LANA DEL REYs Tourband agierte) schon eine gehörige Prise Country-Swagger in der Musik Amens mitschwingt, hat er es nicht so mit der reinen Country-Lehre, denn im Wesentlichen ist er ein romantischer Storyteller, der sich jeweils die passenden musikalischen Akzente für seine Songs zusammensucht.

In „California Blues“ bringt er etwa den Blues ins Spiel, „Changes“ kommt mit souligen Untertönen daher (wie man sie auch von den genannten Kollegen aus der Szene kennt), die Singles „Diamonds“ und „Cabin By The Sea“ sind Folksongs, wie sie auch JOHN DENVER ähnlich angelegt hätte, „Her Spirit Wanders“ ist eine relativ opulent angelegte, mit Streichern und Flöten-Sounds angereicherte Hippie-Hymne und „Memories Of You“ sowie „Lonley People“ kommen als mit Kaffeehaus-Streichern angereicherte Piano-Balladen daher, die dann eher mit BILLY JOEL- und TOM WAITS-Vibes überraschen.


Der bei den anderen Musikern oft anzutreffende psychedelische Faktor geht ALEX AMEN indes ab. Hierfür ist seine Musik einfach zu bodenständig und naturverbunden. Dafür befinden sich auf der abschließenden Ballade „Lonely People“ gleich mehrere Gitarrensoli, welche ein GEORGE HARRISON auch nicht schöner hinbekommen hätte und die auf eine andere Art an die guten alten Zeiten erinnern.

Da ALEX AMEN seine Songs mit einer gewissen Unbekümmertheit präsentiert, fällt der nostalgische Retro-Faktor seines Tuns gar nicht so sehr ins Gewicht, denn obwohl er mit seinem Schnurrbart, seinen Sonnenbrillen und Hippie-Outfits sogar optisch so aussieht, als habe er in den 70ern den Weg in die Zeitmaschine knapp verfehlt, kommt seine Musik mit einem dezidiert zeitlosen Flair daher. Der nostalgische Faktor ergibt sich eher daraus, dass Amen und seine Musiker ähnlich agieren, wie man es bereits vor 50 Jahren tat.


Wes Geistes Kind ALEX AMEN ist, verdeutlichen dabei kleine Details: Etwa die eingangs des Videos „Diamonds“ eingefangenen Bilder von Joshua Tree, seine kürzlich aufgelegte Coverversion des FRANK SINATRA-Songs „This Love Of Mine“ oder seine ausgetretenen Jesus-Latschen und die strubbelige 60‘s-Frisur. Die Frage nach der Authentizität stellt sich da gar nicht mehr. Ohne Frage ist ALEX AMEN mit sich im Reinen und geht nach dem Motto: „Warum reparieren, was funktioniert?“, seinen eigenen, geradlinigen Weg in Sachen Cosmic American Music.

Inhaltlich macht er sich keinen großen Kopf, sondern singt in Songs wie „Diamonds“, „Cabin By The Sea“ oder „Peaches“ mit großer Klarheit – aber poetischem Geschick - einfach über das, was er gerade sieht; oft mit Bezug auf die mystische Heilkraft der Natur, die ihm sogar den in dem Song „Changes“ zum Ausdruck gebrachten Herzschmerz zu überwinden gestattet und ihm ermöglicht, selbst in der Einsamkeit noch ein tröstliches, verbindendes Element zu sehen, wie er es in „Lonely People“ beschreibt. En passant kommentiert Amen so seinen Lebensweg, der durch teils skurrile Interessen, wie z.B. die für Mykologie, Bergsteigen, Poesie und dem Bau von Holzbooten, gekennzeichnet ist.


FAZIT: Ohne Frage gibt es Alben wie „Sun Of Amen“ von ALEX AMEN, die ohne großartiges Konzept, ohne Agenda und doppelten Boden und vor allem ohne den angesagten Zeitgeist auskommen und einfach nur (schön) sein möchten, heutzutage nur noch recht selten. Vielleicht muss gerade unter diesem Gesichtspunkt das Solo-Debütalbum des kalifornischen Songwriters als besonders wertvoll eingestuft werden.

Ullrich Maurer (Info) (Review 89x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Diamonds
  • Cabin By The Sea
  • Please Don't Tee Me You Love Me
  • Peaches
  • Her Spirit Wanders
  • Memories Of You
  • California Blues
  • Changes
  • April
  • Lonely People

Besetzung:

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